Experience Sampling

Eine Momentaufnahme der Gefühle

Was heißt Experience Sampling?

Beim Experience Sampling füllen Studienteilnehmer*innen über mehrere Tage hinweg mehrmals täglich kurze Befragungen aus. Die Idee ist, viele Schnappschüsse aus dem Alltag zu erhalten, die zusammen einen Teil des Lebens der Menschen widerspiegeln können. Experience Sampling eignet sich daher hervorragend, um Alltagserfahrungen im Detail zu untersuchen und Informationen zu erhalten, die bei einmaligen Befragungen normalerweise übersehen oder vergessen werden, wie zum Beispiel was man in einem bestimmten Moment denkt oder wie man sich fühlt. 

In unseren Projekten erfassen wir Informationen über das Gefühlsleben der Menschen, das Miteinander als Partner*innen und - falls zutreffend - ihre Arbeitserfahrungen. Um ein Bild vom Gefühlsleben der Menschen zu bekommen, bitten wir die Studienteilnehmer*innen zu berichten, wie sie sich derzeit fühlen und wie sie versucht haben, mit negativen Gefühlen, die sie möglicherweise in den vergangenen Stunden erlebt haben, umzugehen. Solche negativen Gefühle können Irritation, Traurigkeit, Stress oder vielleicht auch Sorgen sein. Sie können durch viele verschiedene Situationen verursacht werden: Vielleicht haben sie gerade eine schlechte Nachricht erhalten oder machen sich Sorgen wegen einer wichtigen bevorstehenden Präsentation auf der Arbeit. Es können aber auch kleine Momente sein, wie die Kassiererin, die unfreundlich zu ihnen war.

Wir interessieren uns ebenfalls dafür, ob die Studienteilnehmer*innen in den vergangenen Stunden mit ihrem*ihrer Partner*in in Kontakt waren und wie der Kontakt aussah. Haben sie ihre*n Partner*in persönlich gesehen oder sich vielleicht nur eine SMS geschickt? Hatten sie den Eindruck, dass ihr*e Partner*in vielleicht mit etwas zu kämpfen hatte, und wie haben sie darauf reagiert? Diese Fragen können uns helfen, besser zu verstehen, wie Partner*innen sich gegenseitig dabei unterstützen, die Herausforderungen des Alltags zu meistern. Daneben spielen Smartphones im Alltag der Menschen eine große Rolle. Wir untersuchen, wie die Paarkommunikation heutzutage aussieht, wie sie durch die Smartphone-Nutzung geprägt wird und welche Formen der Kommunikation der Beziehung helfen oder schaden können.

Schließlich untersuchen wir das Berufsleben von berufstätigen Studienteilnehmer*innen. Uns interessiert, wo und wie viel diese arbeiten und wie sie sich bei ihrer Arbeit fühlen. Diese Informationen in Kombination mit den Fragen über das Gefühlsleben der Menschen (z. B. wie gestresst, müde oder besorgt man sich fühlt), tragen dazu bei, besser vorhersagen zu können, wann und in welchem Ausmaß sich die Arbeit negativ auf das Wohlbefinden der Studienteilnehmer*innen oder ihre Beziehung auswirken kann.

Was machen wir mit den ganzen Daten?

Wir fügen all diese persönlichen Schnappschüsse aus dem alltäglichen Leben der Studienteilnehmer*innen zusammen. Mithilfe der Menge an detaillierten Daten können wir Rückschlüsse darüber ziehen, welche Prozesse im Alltag unterschiedlicher Menschen ablaufen. Wichtig dabei ist, dass die Daten der einzelnen Personen ihnen nicht mehr zugeordnet werden können. Wir stellen sicher, dass alle Daten anonymisiert und sicher auf geschützten Servern der Universität gespeichert werden. Auf diese Weise befolgen wir die Vorschriften der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

Die Methode unserer ersten Studie: Experience Sampling

In unserer Experience Sampling-Studie mit dem Titel "Partnerschaft im Alltag: Ist man zusammen weniger allein?" füllten Paare über einen Zeitraum von einer Woche sieben kurze Befragungen pro Tag aus. Hierbei wurden Verhalten, Gefühle, Stresslevel und Schlafqualität der Studienteilnehmer*innen erfasst. Die weiteren Methoden unserer Forschungsarbeiten (Mobile Sensing und Erfassung der Herzratenvariabilität) wurden in dieser Studie nicht eingesetzt. Wir danken allen Paaren, die teilgenommen haben!