Unsere Projektziele

Auf dieser Seite geben wir Ihnen einen Überblick über unsere Forschungsfragen, die wir mittels verschiedener Methoden untersuchen. Näheres zu unseren Methoden erfahren Sie hier.

Das Ziel unseres Projektes ist es, gesundheitsförderliche Mechanismen im Alltag von Paaren zu identifizieren. Dafür setzen wir verschiedene Methoden ein, welche sich zur Beantwortung unterschiedlicher Fragestellungen eignen. Hier erfahren Sie, welche Forschungsfragen hinter den verschiedenen Methoden stehen.

Experience Sampling

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Wie gehen Menschen mit negativen Gefühlen und Stress um? Mit der Methode Experience Sampling können wir dieser Frage auf den Grund gehen, indem wir Momentaufnahmen von den Erlebnissen der Menschen im täglichen Leben festhalten. So bekommen wir einen Einblick in das Gefühlsleben im Alltag. Wir möchten verstehen, wie Menschen auf ihre eigenen Emotionen und die ihrer Partner*innen reagieren, und zwar genau dann, wenn stressige oder negative Ereignisse eintreten. Auf diese Weise möchten wir herausfinden, welche Wege hilfreicher oder weniger hilfreich sein können, sowohl für die einzelne Person als auch für das Paar.

Außerdem untersuchen wir, unter welchen Bedingungen Menschen in ihrem Job aufgehen und wann die Arbeit ihren Tribut fordert und sich auf das Gefühlsleben (z. B. Stresserleben, Müdigkeit) und das Liebesleben (z. B. reduzierte Kommunikation oder Nähe) auswirkt.

Ein weiteres Ziel der Studie ist es, die Rolle von Smartphones im Alltag zu untersuchen. Smartphones sind ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens geworden. Einerseits können Smartphones unser tägliches Leben erleichtern, z. B. indem sie uns erlauben, (fast) immer mit unserem*r Partner*in in Kontakt zu sein, wenn wir ihn*sie brauchen, oder unseren Kalender zur Hand zu haben, wenn wir nicht jeden Termin im Kopf haben. Auf der anderen Seite können sich Menschen dadurch belastet fühlen, dass sie selbst oder ihr*e Partner*in ständig "auf Abruf" sind. Wir möchten besser verstehen, wie Smartphones sich auf Beziehungen auswirken.

Mobile Sensing

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Wann und warum fühlen sich manche Menschen durch die Smartphone-Nutzung ihres*r Partner*in gestört? Wie wirken sich Partnerschaftskonflikte darauf aus, wieviel Zeit Menschen mit ihrem Smartphone verbringen? Beeinträchtigt die häufige Nutzung des Smartphones die Beziehungsqualität?  Zur Untersuchung dieser und weiterer Fragen greifen wir im Rahmen unserer Forschung auf Daten zurück, die mithilfe von sogenanntem „Mobile Sensing“ gewonnen werden. Dabei handelt es sich um eine Forschungsmethode, mit derer Hilfe wir im begrenzten Umfang auf die Daten bestimmter Sensoren und Technologien Ihres Smartphones zurückgreifen können. Indem diese Daten inhaltlich und zeitlich miteinander in Beziehung gesetzt werden mit Daten aus anderen Datenquellen (zum Beispiel den Daten vom Smartphone Ihres*r Partner*in oder den Antworten aus den Experience Sampling-Fragebögen) können wissenschaftliche Einblicke in die Art und Weise gewonnen werden, in der Smartphones das alltägliche Miteinander in Paar- und Familienbeziehungen des 21. Jahrhunderts prägen.

Herzratenvariabilität

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Die Herzratenvariabilität (HRV) kann ein Indikator für Stress auf körperlicher Ebene sein. Experimentelle Studien haben gezeigt, dass das Erleben von Stress die Herzratenvariabilität temporär verringert. Bisher gibt es vereinzelte Studien, welche die HRV im Alltag, also nicht unter Laborbedingungen, untersucht haben. Deren Ergebnisse deuten in die gleiche Richtung. Jedoch ist die Aussagekraft der HRV als Stressindikator im Alltag vielen Einschränkungen unterworfen, da es eine Vielzahl weiterer Faktoren gibt, welche diese beeinflussen (z.B. körperliche Aktivität). Daher haben wir uns dazu entschieden, uns auf die nächtliche Herzratenvariabilität während der Schlafenszeit zu konzentrieren. Erste Querschnittstudien geben Hinweise darauf, dass die nächtliche HRV z. B. bei Personen mit diagnostiziertem Burnout verringert ist. Wir möchten den Zusammenhang zwischen Stress und nächtlicher HRV längsschnittlich untersuchen. Das heißt, uns interessiert, ob es einen Zusammenhang zwischen Alltagsstress und nächtlicher HRV innerhalb von Personen gibt. Die Frage lautet demnach, ob eine Person, die an einem bestimmten Tag mehr Stress als üblich erlebt hat, in der darauffolgenden Nacht eine geringere HRV aufweist. Die Beantwortung dieser Frage trägt zum Verständnis bzgl. der körperlichen Auswirkungen von Alltagsstress bei. Unseres Wissens nach existieren bisher keine Studien, die den Zusammenhang von Alltagsstress und nächtlicher HRV innerhalb von Personen über mehrere Tage hinweg untersucht haben.


Eine weitere Fragestellung bzgl. des Zusammenhangs zwischen Stress und HRV betrifft die Rolle des*der Partners*in. Es wäre denkbar, dass der*die Partner*in einen möglichen Zusammenhang zwischen Alltagsstress und nächtlicher HRV abpuffern kann, z. B. indem er*sie bei der Stressbewältigung hilft. Außerdem haben Studien gezeigt, dass positiver körperlicher Kontakt Stress auf verschiedenen Ebenen reduzieren kann. Umgekehrt ist es nicht auszuschließen, dass der*die Partner*in die Auswirkungen von Stress verstärken kann, indem sich der Stress des*der Partners*in auf einen selbst überträgt (crossover effect). Daher schauen wir uns an, inwiefern partnerschaftliche Interaktionen Auswirkungen auf die nächtliche HRV haben können. Soweit wir wissen, gibt es bisher keine Studien, welche diese Zusammenhänge untersucht haben.